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Wilhelm Tell Me


A Short Story For The Road
(nordpolrecords / September 2014)
A Short Story For The Road (EP)
VÖ: 26.09.2014 (nordpolrecords/Sony/Believe Digital)

Los Angeles, Mai 2014, 16 Grad Celsius, bedeckter Himmel. Es ist einigermaßen früh am Morgen. Henning, Sänger von WILHELM TELL ME, nimmt die Sonnenbrille wieder ab während er vor dem Eingang des Hotels auf seinen Wagen wartet. Reiseführer behaupten, zu dieser Zeit des Jahres ist jeder Regenschauer eine statistische Sensation. Man wird sehen. Ohnehin ist Henning nicht zum Reisen hier. Er ist auf dem Weg zu Lars Stalfors: Produzent, Keyboarder der mit dem Grammy Award 2009 aus dem Underground gezerrten The Mars Volta, Soundtüftler und vielleicht Genie. Er hat Henning in sein Studio gebeten. Schon vor zwei Tagen eigentlich. Die beiden müssen ein ernstes Wörtchen miteinander reden...

Im Stau auf der Interstate lässt Henning Revue passieren was seit 2011 passiert ist. Seit damals, als WILHELM TELL ME ihr Debütalbum in Eigenregie produzierten und in die Läden brachten. Es war damals viel improvisiert. Es mussten Verstärker befreundeter Bands aus Hamburg zusammengeliehen werden, damit die Band überhaupt mit ernsthaftem Equipment aufnehmen konnte. Mikrofone wurden gekauft und vor Ablauf der Rückgabefrist wieder zurückgeschickt – kein Geld, zumindest nicht genug. Es war das reinste Chaos, über Wochen kaum Schlaf, hitzige Debatten über Sound, Songs und fehlende Labels. Aber dann wurde das Album doch fertig. Sie brachten es einfach selbst raus. Und es war ein kleiner Erfolg. Danach endlich auf Tour. Die Leute kamen und feierten mit der Band. Es war eine tolle Zeit.

Als Henning von der Interstate ins unendliche Grau der Vororte von L.A. abfährt kommt ihm diese Zeit ewig weit weg vor. Es muss etwas Neues her. Das lederne Notizbuch in seiner Tasche beherbergt zwar schon genug Songmaterial für drei oder vier neue Alben. Doch es hatte sich bis jetzt noch nicht richtig angefühlt. Irgendwie war es noch nicht soweit gewesen aufzunehmen, zu produzieren, dem Ganzen eine Form und einen Namen zu geben. Jeder Sound fühlte sich leer an wie die wegen der Finanzkrise gepfändeten Häuser an denen die Straße gerade vorbeiführt. Nichts schmeckte für Henning nach dem eigenen Sound. Alles fühlte sich im Abgang nur geliehen an. Wie Musik auf Kredit – Zitate, aber keine eigenen Sätze.

An der Tankstelle, die ihn ans Touren erinnert, denkt Henning an Schlagzeuger Jan und Gitarrist Frederik, die beide vor nicht allzu langer Zeit die Band verlassen hatten. Sie sahen keine Perspektive für sich, wussten nicht wo die Reise hingeht, mussten langsam anderweitig ernst machen. Wegen des Geldes, wegen der Familie. Klar. Kein Vorwurf. Das ist das Leben. Trotzdem sind es harte Einschnitte im Gefüge einer Band. Man fühlt sich wie nach dem Ende einer langen Beziehung. Wege trennen sich und man hat dieses Stechen in der Brust, das einem klar macht: Nichts wird mehr so sein wie es war. Doch Bassist Matthias wollte genauso wenig wie Henning aufgeben. Sie hatten weitergemacht - egal, was da jetzt kommt. Ein Schlagzeuger war bald wieder gefunden. Paul ist jetzt fest dabei und hält Hennings Launen mittlerweile genauso gut aus wie Matthias. Launen, bei denen Henning einfach mal für ein paar Tage verschwindet, nicht erreichbar, abgetaucht. So wie die letzten zwei Tage. Er wusste, dass das Gespräch mit Lars wichtig ist. Trotzdem wie so oft: dreizehn unbeantwortete Anrufe auf Hennings Handy. Auf lautlos in der Tasche, unterwegs in dieser lauten Stadt. Er zog durch die Indie-Clubs anstatt zurückzurufen. Das hatte er schon viel zu lange nicht mehr gemacht und musste jetzt irgendwie sein. Fünf Konzerte an zwei Abenden, rastlos auf der Suche nach dem rohen Sound und der Energie, die er so lange vermisst hatte. Und dann beim Frühstück beantwortete er mit etwas zu wenig Schlaf doch endlich Lars Anrufe: „Okay. We need to talk.“

Kurz vorher, zwischen Chicago, Arkansas, Santa Fe und Los Angeles entstanden nochmal neue Texte. Ein Roadtrip, um alte Freunde und Verwandte zu besuchen, den Kopf freizubekommen und natürlich um das eine Mädchen wiederzusehen. Klassiker. „All these roads we drove together / Tracing state-lines with a finger / Promises of places made of gold“, heißt es deswegen in TOURISTS über einem pulsierenden Synthesizer. Und dann doch nur die paar Tage Zeit miteinander, aber „We don’t need another lifetime / I just want you here tonight / To feel the ghost of you and I“. Auch wenn der erste Impuls ist, die Eine einfach mitzunehmen, irgendwohin, für immer vielleicht. So wie in LET ME TAKE YOU AWAY: „I wanna take you away / Can I get a second with your heart alone? / Don’t let your head get in our way!“. Herz gegen Vernunft, Affekt gegen Zaudern.

Wie ist das dann so in einer der wenigen Nächte, in denen ersteres gewinnt? So heißt es in GROWING YOUNGER: „We won’t wait for another day / We gonna stay until the party is over / We gonna take some time to play / Don’t let your teenage-heart get sober / We’re growing younger“.

Klischee? Nicht für den, der einfach ehrlich ist: „I even gonna tell you cliché-lines / Cause I don’t wanna leave no doubt“. Einfach ganz unprätentiös in THE COOL KIDS – und weiter: „The cool kids never say it like this / The cool kids never do it like this / But I’m in love so I don’t care / If you don’t care“. Denn wer will schon den coolen Kindern gefallen, wenn man gerade die Liebe seines Lebens vor sich hat? Eine Hymne auf das Authentische, dieses unmittelbare Gefühl.

Und wenn das richtige Gefühl da ist, sind eben auch die richtigen Songs da. Als Henning jetzt auf den Parkplatz von Lars Studio fährt, reißt zaghaft die Wolkendecke auf. Auf dem Weg über den Parkplatz nimmt er kaum Notiz von Passion Pit Frontmann Michael Angelakos – best buddy von Lars – der ihm entgegenkommt. Den Schritt beschleunigend an ihm vorbei durch den engen Gang zu Lars Regie. Nach einer lapidaren Entschuldigung wegen der verpassten Termine, eine Antwort nicht abwartend, Handy an die Boxen angeschlossen und – Demos hören. Lars, so einige Eigenheiten von Bands und Sängern gewohnt, ist nicht lange nachtragend. Er hört stoisch zu. Und dann...

„Ok... wow. These songs are awesome! They really got something!“

In Lars Regieraum beschließen die beiden an einer EP zu arbeiten. Eine EP mit dem rohen Sound, den die Band im Kopf hat. Die Songs sind heiß, „they just need killer production“, meint Lars. Jetzt, nur ein paar Monate später, erscheint unter dem Namen A SHORT STORY FOR THE ROAD genau diese EP mit fünf Songs. Und ab September kommt die passende Tour dazu, zunächst durch Deutschland. Nicht zuletzt wieder ein Roadtrip, um die Textzeilen aus GROWING YOUNGER in die Tat umzusetzen: „We can make your troubles disappear / Don’t you know? One night can beat a year.“ Eine Nacht mit neuen Songs in neuer Besetzung. Vielleicht besser als so manches ganze Jahr.



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